Wer zahlt die Zeche?

Willkommen bei tiefflug! Willkommen im Jahr 2014! Wir gehen ins sechste Jahr Weltwirtschaftskrise. Ach, was schreib ich? Ins zweitausendste Jahr. Oder noch mehr. Seit Der Erfindung des Kredits ist die Krise immanenter Bestandteil der Wirtschaft. Ein kleines illustrierendes Beispiel:

Als ich zur Schule ging, damals, in einer anderen Zeit, hatte uns unser Sozialkundelehrer/Politiklehrer ein Rätsel erzählt. Dieses Rätsel hat mich nie ganz losgelassen. Am schlimmsten war allerdings, dass unser Lehrer uns die Lösung nicht erzählt hatte. Vielleicht ist dies mit ein Grund dafür, dass ich über Umwege mich dann irgendwann doch intensiver mit Wirtschaft und Finanzen beschäftigt habe. Ich kann mich nicht mehr genau an das Rätsel erinnern, aber noch an das Wesen, deswegen werde ich es hier in abgewandelter Form präsentieren.

Das Rätsel handelt von einem Mann aus Mega-City, der wie in jedem Jahr Urlaub auf Paradise-Island macht. Einmal im Jahr völlig abschalten und runter kommen vom Job. Dieser Mann, nennen wir ihn Moneymaker, arbeitet in den oberen Etagen von Mega-City. Die Menschen auf Paradise-Island kennen Moneymaker gut. Dass sie ihn lieben, wäre zu viel gesagt, aber sie achten ihn und sind ihm wohlgesonnen. Nicht zuletzt deswegen, weil das Trinkgeld, welches man von ihm bekommt, großzügig ausfällt.

Der einzige Nachteil, den der Moneymaker aus Sicht der Einwohner von Paradise-Island mitbringt, ist seine Abneigung gegen Bargeld. Und da Paradise-Island technisch etwas rückständig ist, was die Urlaubsgäste, die es dorthin verschlägt, aber gerade zu schätzen wissen, bleibt Moneymaker nichts anderes übrig, als mit Schecks zu bezahlen.

Kleiner Exkurs: Was ist ein Scheck.

„Die Funktion des Schecks ist am besten an einem Beispiel erklärt:

Die Person A schuldet der Person B einen bestimmten Geldbetrag. Die Person A hat zwar kein Bargeld, aber ein Guthaben bei der Bank X. Um die Schulden bei der Person B zu bezahlen, setzt die Person A daher ein Schreiben auf, in welchem sie die Bank X auffordert,

sofort gegen Vorlage dieses Schreibens (kaufmännische Bezeichnung: „auf Sicht“)
und ohne weitere Bedingungen
den bestimmten Geldbetrag
aus dem Guthaben des A („aus meinem Guthaben“)
an die Person B zu bezahlen,
und übergibt dieses Schreiben der Person B.“ (Wikipedia)

Das stellt für die Bewohner von Paradise-Island aber kein Problem dar. Denn sie wissen, dass Moneymaker solvent, also kreditwürdig ist. Niemand auf Paradise-Island zweifelt daran, dass, wenn er mit einem Scheck von Moneymaker zur Bank geht, den Geldbetrag ausbezahlt zu bekommen. Das Vertrauen in Moneymaker ist sogar so groß, dass in all den Jahren noch nie jemand einen der Schecks, die Moneymaker über die Jahre ausgestellt hat, eingelöst hat.
„Ah, tut mir leid, ich habe leider gerade gar kein Bargeld dabei. Aber warte, ich habe hier einen Scheck von Moneymaker. Kann ich vielleicht damit bezahlen?“
„Von Moneymaker? Klar, gar kein Problem, gib her.“

Solche Dialoge haben sich nach dem ersten Urlaub von Moneymaker abgespielt und häuften sich dann immer mehr. Mittlerweile kursieren die uneingelösten Moneymaker-Schecks als zusätzliches oder paralleles Zahlungsmittel auf Paradise-Island. Nur hat Moneymaker davon bisher nichts mitbekommen, weil er kein Bargeld benutzt. Er zahlt immer mit Schecks.

Der Schluss liest sich schon paradox. Aber erst jetzt die Frage: Wenn Moneymaker nie für seine Urlaube bezahlt hat (denn sein Konto wurde nie belastet, weil die Schecks nicht eingelöst wurden), wer hat dann dafür bezahlt? 

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