Junge mit Koffer

Keine Ahnung, wohin er fährt, aber seit einiger Zeit sehe ich morgens am U-Bahnsteig einen Jungen, höchsten fünfte Klasse, mit einem Rollkoffer statt Ranzen oder Rucksack. Irritierender Blick, wie er selbstbewusst, gerade Haltung, den Bahnsteig entlang marschiert, auch wenn das Gesamtbild passt mit seinem sauber gescheitelten Haar und Hipster-Style, Ray Ban-Brille, womit er weniger wie ein Kind, sondern vielmehr wie das Bild, das sich seine Mutter von seinem Vater erträumt, aussieht.

Egal, viel aussagekräftiger an diesem Ereignis war eines Morgens ein junges Paar, die ihn anerkennend kommentierten, regelrecht likten: „Ja, praktisch. Gut für den Rücken. Die [Kinder] haben immer so viel zu tragen.“

Was gut für den Rücken ist, ist schlecht für die Freiheit! Schon jetzt angepasst. Schon jetzt gelikt. Aber Kind sein, bedeutet, sollte bedeuten, Anarchist sein zu dürfen. Wie soll dieser Junge abseits der Wege seine eigenen finden? Über Zäune springen? Alleine schon über Wiesen rennen, ist unmöglich.

Ich weiß nicht wer mir mehr Leid tut. Der Junge, der noch die Chance hat zu rebellieren, auf den Weg der Anarchie zu kommen, oder dieses junge Paar, das bereits vergessen hat, Kind zu sein, obwohl die eigene Kindheit noch nicht lange her ist, vergessen hat zu leben, deren einzige Chance es sein wird, von den eigenen Kindern zu lernen.

Und zum Schluss die große Preisfrage: Wird dem Jungen das Pausenbrot geklaut?

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