Volkes Stumme suchen ihren Ali3n

Bereits kurz vor den letzten drei Landtagswahlen sind die Stimmen derer, die versucht haben, die AfD-Anhänger zu verstehen, laut geworden. Und erste recht die der AfD-Anhänger selbst. Und immer radikaler. Und das soll die eigentliche bürgerliche Mitte sein. Die Stimme des stummgehaltenen Volkes. Alleine schon der Begriff Volk schickt uns auf die falsche Fährte.

Angst geht um. Verlustangst. Angst vor dem materiellen Abstieg. Diese Angst können die Flüchtenden natürlich nicht haben. Denn sie haben schon nichts mehr, was sie verlieren könnten. Besitzlos und heimatlos sind sie geworden. Können nur noch ihr Leben verlieren. Aber wir brauchen sowieso nicht so viele Human Resources. Also sind uns die Einzelschicksale egal. Wir fokussieren unseren Blick auf das große Ganze und behalten die Lawine, die auf uns zurollt, im Blick.

Auf den anderen Teilen unserer Erde herrscht so viel Besitzlosigkeit, dass Verlustängste als Luxus erscheinen. Aber es ist unser Luxus, schreit das Volk, das wir uns erarbeitet haben. Oha!? Was ist denn mit all den Billigprodukten, die unter menschenunwürdigen Verhältnissen in China und anderen Werkbänken dieser Welt produziert werden, damit wir bloß nicht zu viel bezahlen und nicht zu viel von unserem Wohlstand abgeben müssen?

Aber das sind Probleme des Außen, sagen die, die es sich hier in der Mitte gemütlich ergehen lassen: Erst den Deutschen, dann schauen wir mal, was für den Rest übrig bleibt. Wer soll das sein, der Deutsche? Ist es die Gruppe der Arier plus der Integrierten? Nicht im Ernst. Jeder der beginnt, so zu argumentieren, begibt sich nicht nur aufs Glatteis, sondern argumentativ ins Abseits.

Genauso führt der Begriff der Nation nicht weiter. Was bringt uns die Nation? Grenzen! Aber wer hat mit welchem Recht die Grenzen gezogen? Sie sind ein Resultat von jahrtausendlangen Kriegen, also von Gewalt. Wollen wir uns ernsthaft als Resultat von Gewaltakten definieren?

Was uns fehlt, ist eine neue Persp3ktive und ein neuer Begriff von Heimat. Den finden wir in der Science-Fiction und liegt doch so offensichtlich zu unseren Füßen. Die Heimat aller Menschen ist die Erde. Was uns fehlt, um das zu begreifen ist – und hier betreten wir die Perspektive der Science-Fiction – der/die/das Ali3n. Das Innen/Außen-Denken ist zu verankert in unserem Denken, als dass wir uns ohne einen äußeren Feind als Gesellschaft denken können. Wir schaffen es ja noch nicht mal, uns als Europäer zu denken. Wir brauchen immer einen Ander3n, um ein Wir zu denken. Die EU, das sind die And3ren, die Bürokraten.

Nur wenn wir nicht aufpassen, könnte es auch ohne Ali3n viel schneller gehen, als befürchtet werden will. Denn wir arbeiten daran, unsere Heimat selbst kaputt zu machen. Wollen wir hoffen, dass wir nicht alle in naher Zukunft zu Flüchtenden werden und die Erde verlassen müssen, weil sie unbewohnbar gemacht worden sein wird – von uns.

Vielleicht sollten wir, also wir Privilegierten in diesem Wohlstandsland, uns überlegen, ob unsere Probleme wirkliche Probleme sind oder ob wir uns selbst nicht viele zu wichtig nehmen.

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