Gender oder Nicht-Gender

Eine Dekonstruktion einer Debatte vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Rolle des Mannes aus der Perspektive einer Utopie gedacht.

Hätten wir trotz Sommer nicht so viele akute traurig stimmende Themen in unserer Erlebniswelt, wie der Demokratieverlust in der Türkei, Terroranschläge überall, schlechtes Wetter, Vorbereitung auf die Bundesliga etc., könnte die anhaltende Gender-Diskussion das Loch füllen. Aber es wird bereits jetzt mit zunehmender Entnervung zur Kenntnis genommen. Gerade männliche Mitmenschen mischen sich, wenn überhaupt, ablehnend und das Thema wegwischend ein. Aber gerade sie, also wir (Männer), sollten das Thema aufgreifen, um die Diskussion aktiv zu gestalten.

Die Gender-Diskussion muss sich nicht zwingend um Feminismus und die Rolle der Frau in der Gesellschaft drehen, auch nicht um das Selbstbild von Personen, die sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen, auch nicht um das Verständnis von Personen, bei denen keine Identität zwischen biologischen und gesellschaftlichen Geschlecht herrscht. Das sind alles wichtige und ernst zu nehmende Themen und Diskussionen, denen wir Männer uns nicht verschließen sollten. Aber warum soll es nicht auch um die Rolle des Mannes, um sein Selbstverständnis gehen? Wir sollten die Diskussion aufnehmen und nutzen, um das, was unter Männlichkeit verstanden wird, neu zu gestalten.

Warum soll ein Mann eigentlich ein Haus gebaut, einen Sohn gezeugt und einen Baum gepflanzt haben? Und muss er das Haus eigentlich mit seinen eigenen Händen und ohne Hilfe gebaut haben? Zählt ein Baumhaus? Was ist beim Sohn entscheidend: das biologische oder das gesellschaftliche Geschlecht? Warum soll eigentlich schon die Zeugung reichen? Ist es nicht viel sinnvoller ein Kind zu einem bereichernden Mitglied der Gesellschaft erzogen/begleitet zu haben? Und was ist, wenn der Baum nie Früchte trägt? Der Mann soll geben. Die Mutter (Natur) soll empfangen und pflegen. Das ist das Weltbild das uns damit transportiert wird. Der Mann als Schöpfer. Die Frau als Bewahrerin.

Wir sollten auf diesen ganzen Scheiß den Hammer knallen und von vorne anfangen. Keine Geschlechterrollen. Stattdessen individuelle Lebensentwürfe. Wir sollten uns nicht als Männer und Frauen begegnen, sondern zunächst einmal als Menschen. Ohne (Vor-)Urteile. Und im zweiten Schritt müssen wir endlich lernen, schizo zu leben. Jeder lebt nicht eine Identität. Ich bin nicht nur Blogger. Ich bin auch Arbeitnehmer. Gleichzeitig bin ich Anarchist. Lebe aber Demokratie. Bin Nachbar. Bin Vater. Bin Sportler. Rauche. Jeder lebt viele Identitäten, die sich im Laufe des Lebens ändern, die sich widersprechen und ergänzen.

Doch unsere gesellschaftliche Konstitution lässt sich nicht einfach löschen. Wir können uns nicht auf einem weißen Blatt Papier neu erfinden. Aber die Theorie, die wir darauf schreiben, auf einem neuen Blatt Papier, kann uns helfen, von der Zukunft her, die Gegenwart nur zu denken und zu verändern. Die Revolution speist sich aus einer Utopie.

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