Bekenntnisse

Ich gestehe: Ich arbeite für einen Finanzdienstleister. Ich habe es nie angestrebt. Irgendwie bin ich da hineingerutscht. Und immer wieder stellt sich mir die Sinnfrage.

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Wie kann ich im Finanzsystem, quasi als Angestellter des Kapitalismus, im selbstreferentiellen Kapitalismus, der die Form G-G angenommen hat, arbeiten? Sinnfreiheit entleert diese Arbeitswelt. Dieses System ist zum Selbstzweck geworden.Naja, sinnfrei ist die ganze Welt! Absurd ist es, ich weiß. Aber was auf dieser Welt ist nicht absurd?

Ich lache der Absurdität entgegen. Befülle meine Excel-Tabellen. Unterschreibe Jahresabschlüsse & nehme das Geld – in der Gewissheit, dass diese zerstörerische Form des Kapitalismus sich am Ende gegen sich selbst wendet – & gehe nach Hause. Aber werden diese Marxisten wirklich Recht behalten?

Beutet mich der Kapitalismus aus? Oder beute ich den Kapitalismus aus? Ich kann ihn nicht stürzen. Niemand kann ihn stürzen. Wir können ihn nur in Bahnen lenken, sodass er sich in eine postkapitalistische Ökonomie wandelt. Aber deswegen muss ich mich nicht gegen ihn stellen, muss mich nicht außerhalb aufstellen. Ich kann hier an meinem Schreibtisch sitzen und seine Früchte ernten.

Gibt es Grenzen, die man sich trotz aller Absurdität auferlegen muss? Gibt es eine Moral? – Kann ich für einen Waffenhersteller arbeiten? Darf ich für einen Chemiekonzern, der maßgeblich für die Zerstörung der Erde verantwortlich ist, arbeiten? Kann ich für einen Finanzierungspartner dieses Chemiekonzerns arbeiten? Wo ziehe ich die Grenze?

Das Absurde zu akzeptieren bedeutet das Leben zu akzeptieren. Wenn ich dieses absurde Leben leben will, dann bejahe ich das Leben. Nicht nur meins, sondern auch das anderer absurder Menschen. Generation für Generation. Waffen lassen das Leben verneinen. Die Zerstörung der Erde lässt das Leben verneinen. Die Moral ergibt sich aus der Bejahung des Lebens!

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