Drögensen #1 Der HSV

Es kann nicht wahr sein. Da verliert der HSV doch tatsächlich das erste Mal am Millerntor seit 59 Jahren genau in der Woche, in der ich das erste Kapitel schreiben soll. Wie gerne würde ich mich jetzt über den HSV auslassen. Nachdem die Saison bisher so gut verlief. Aber ich soll über mich und meine Familie schreiben. Echt soll es sein. Authentisch würde man sagen. Aber alles, was ich schreibe, wird nochmal, wie in der Schule korrigiert. Und dann hieß es: Ein Klempner würde nicht „authentisch“ schreiben. Als ob. Ich bin auch zur Schule gegangen. Mein Sohn, der Kalle, würde sagen: „Sei real!“

Was solls. Wenn ich über mein echtes Leben als Klempner und Familienvater schreiben soll, dann war ich halt am Montagabend in der Bar und habe mir das Derby angeguckt. Von wegen, dass sie spielerisch ganz anders drauf wären als letzte Saison. Die konnten froh sein, dass sie nicht 4:0 oder so aus dem Stadion gefegt worden waren. Imke, meine Frau, war auch nicht begeistert. Sie hatte mich, wie ich zu Hause feststellen musste, aus dem Schlafzimmer gefegt und mein Bettzeug aufs Sofa gepackt. Im Bad fand ich einen Zettel von ihr. „Du schläft auf dem Sofa. Keine Lust auf dein Schnarchen. Küsse!“ Sie hatte geahnt, dass ich zwei, drei Bierchen trinken würde. Vielleicht war noch ein Frustbier dabei. Na, was solls…

Ätzend an diesen Montagabendspielen ist echt, dass man nächsten Morgen arbeiten muss. Und dass man die ganze Woche noch was davon hat. Nächsten Morgen hatte ich – das solltet ihr Bürohengste und -stuten (vielleicht lest ihr mit und ich will gleichberechtigt sein) wissen – um 7 Uhr einen Termin bei einem Kunden. Zum Glück in der Nähe, sodass halb 7 Uhr zum Aufstehen reichen sollte. Die Nacht auf dem Sofa war nicht so prickelnd. Imke war schon wach und hatte Kaffee gemacht. „Na, mein Schatz, gut geschlafen?“, begrüßte sie mich mit einem mega Lächeln, das so gar nicht ironisch gemeint war, was jetzt wieder ironisch gemeint ist.

„Als ob ich geschnarcht hätte“, erwiderte ich leicht verkatert.

Sie goss mir einen Becher Kaffee ein.

„Und? Gewonnen?“, fragte sie.

„Ach, frag nicht. Ausgerechnet gegen Pauli“, sagte ich. Trank einen Schluck. „Da hätte ich auch früh ins Bett gekonnt.“

Imke verdrehte die Augen. „Mich brauchst du wegen diesem ganzen Fußballkram eh nicht ansprechen.“

Ich trank meinen Kaffee aus. Für Frühstück war keine Zeit mehr. Mein Geselle wartete. Also Zähneputzen und los.

Mittwoch, 18. September 2019

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: